Kräuterecke

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Brennnessel

 

Als Unkraut abgetan und für ihre Brennhaare berüchtigt, ist die Brennnessel alles andere als beliebt.

Trotz der teilweise unangenehmen Wirkung der Brennnessel auf die Haut, darf diese Pflanze nicht unterschätzt werden. Seit der Antike gilt die Brennnessel als Heilpflanze.

Die große Brennnessel (Urticae dioica) und die ihr ähnelnde kleine Brennnessel sind in Europa, Teilen Asiens und in Nordafrika heimisch. Sie wächst auf Kulturflächen und Ödland, in Auenwäldern und an Flussufern. Die in Mitteleuropa vertretenen Arten erreichen je nach Art, Standort und Nährstoffsituation eine Höhe von zehn bis 300 Zentimetern.

Brennhaare

Plötzlich brennt es auf der Haut, rote Quaddeln bilden sich, die Stelle kribbelt.

Die feinen Brennhaare auf ihren Blättern und Stängeln brechen schon bei der leichtesten Berührung ab und es entsteht eine scharfe Bruchkante, die wie eine Kanüle in die Haut eindringt und einen Zellsaft injiziert. In diesem sind Acetylcholin, Ameisensäure und Histamin erhalten, die für den brennenden Schmerz und die typische Quaddelbildung sorgen.

Diese Brennhaare wirken als Schutz gegen Fressfeinde und sind überwiegend auf der Blattoberseite vorhanden.

Die Brennnessel hat damit einer Reaktion der Haut einen Namen gegeben, der Nesselsucht oder Urtikaria. Genau wie bei einer Reizung durch Brennnesseln verursacht sie juckende Quaddeln und es wird Histamin aus den Mastzellen der Haut freigesetzt. Die Ursachen können jedoch sehr unterschiedlich sein.

Verwendung

  • LebensmittelVon einigen Arten werden die grünen Pflanzenteile, die unterirdischen Pflanzenteile und die Samen verwendet. Als Frühjahrsgemüse werden die jungen Brennnesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Silizium, Vitamin A und C (ca. doppelt so viel wie Orangen), Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts geschätzt. Der Geschmack wird als „dem Spinat ähnlich“, aber aromatischer und als fein säuerlich beschrieben.

    Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare kann man bei der rohen Verwendung für beispielsweise Salate entgegenwirken, indem man die jungen oberirdischen Pflanzenteile in ein Tuch wickelt und stark wringt, mit einem Nudelholz gut durchgewalkt oder ihnen eine kräftige Dusche verpasst. Kochen sowie kurzes Blanchieren für Brennnesselspinat sowie -suppe macht die Nesselhaare ebenfalls unschädlich. Auch durch das Trocknen der oberirdischen Pflanzenteile für die Teezubereitung verlieren sie ihre reizende Wirkung.

  • FasergewinnungStoffe aus Brennnesseln gab es bereits vor Jahrtausenden, wofür es aus vielen Regionen Beispiele gibt. Um 1900 galt Nessel als das „Leinen der armen Leute“. Im 2. Weltkrieg wurde Nesseltuch verstärkt in Deutschland für Armee-Bekleidung verwendet.
  • FärberpflanzenLange Zeit gehörte die Brennnessel zu den Färberkräutern. Wolle kann mit ihrer Wurzel, nach Vorbeizen mit Alaun, Wachsgelb färben. Mit einer Zinnvorbeize, Kupfernachbeize und einem Ammoniak-Entwicklungsbad erzielen die oberirdischen Teile ein kräftiges Graugrün.
  • Gärtnerische Verwendung

Ein 24 Std. angesetzter Kaltwasserauszug soll als Pflanzenstärkungsmittel die Widerstandskraft gegenüber Schädlingen und als Dünger wirken. Zudem wird Brennnesseljauche bei verschiedenen Gemüsepflanzen wie Gurken, Kohl, Porree, Tomaten und Zucchini eingesetzt.

 

  • PharmakologieExtrakte aus den Wurzeln von Brennnesseln werden zur Behandlung einer gutartigen Vergrößerung der Prostata eingesetzt. Sie sollen das Miktionsvolumen und den Harnfluss erhöhen und die Restharnmenge verringern.

    Brennnesselblätter und -kraut werden zur Durchspülung der ableitenden Harnwege und zur Behandlung von Nierengrieß eingesetzt, sowie zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden.

Interessante Bräuche, die teils dem Bereich der Mythen und des Aberglaubens entstammen 😉

– Gründonnerstag Brennnesselgemüse zu essen, um für das folgende Jahr vor Geldnot zu schützen

– Fünf Nesselblätter in der Hand halten, um frei von Furcht und bei kühlem Verstand zu bleiben.

– Am Johannistag Brennnessel-Pfannkuchen essen, um gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit zu sein.

– Am 1. Januar Brennnessel-Kuchen zu essen, um sich ein gutes Jahr zu sichern.

WICHTIG!

Wer Brennnessel gegen Harnwegsinfekte einnimmt, sollte ausreichend viel trinken. Das unterstützt den durchspülenden Effekt.

Wer unter Wasseransammlungen im Körper leidet, die durch eine eingeschränkte Herz- oder Nierenfunktion bedingt sind, darf Brennnessel nicht anwenden.

 

Quellen: Apotheken Umschau, PTAheute, Botanik und Drogenkunde (Deutscher Apotheker Verlag), Natur aktiv (Govi Verlag)

 

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Goldrute

 

 

Die Goldrute (Solidago virgaurea herba = Echtes Goldrutenkraut) ist in Europa, in den gemäßigten Klimazonen und in Nordafrika heimisch. Die Stauden wachsen gerne an sonnigen, trockenen, sandigen Standorten wie Ufergebieten, Waldlichtungen, Wiese und Bahndämmen. Sie können bis in den November hinein blühen. Die goldgelben Korbblüten erinnern an kleine strahlende Sonnen. Sie duften süßlich und aromatisch und werden gerne von zahlreichen Bienen, Schmetterlingen und weiteren Insekten besucht.

In England und den USA werden Goldruten als Gartenpflanzen verwendet. Bei uns sind sie eher ungeliebt, da sie heimische Pflanzenarten zu verdrängen drohen.

Die Goldrute ist außerdem die Nationalblume der US-Bundesstaaten Nebraska und Kentucky.

Die Goldrute wird schon lange als Heilpflanze genutzt. Bei den Germanen zählte die Goldrute zu einem der besten Wundheilkräuter. In alten Kräuterbüchern aus dem 17. Jahrhundert heißt sie daher noch „Heydnisch Wundkraut“. Den Namen „Heftkraut“ erhielt sie, weil sie Wunden zusammenheften kann.

Sie wurde auch dazu verwendet, um über den Gesundheitszustand eines Kranken Auskunft zu geben: Dazu stellte man die Goldrute über Nacht neben das Bett eines Kranken. War sie am nächsten Morgen verwelkt, wurde auch der Mensch nicht mehr gesund.

Als Droge dienen die während der Blüte gesammelten und schonend getrockneten oberirdischen Teile.

Für die Wirkung ist vermutlich nicht eine einzelne Substanz verantwortlich, sondern das Zusammenspiel von Flavonoiden, Triterpensaponinen und Phenolglykosiden. Flavonoide wirken aquaretisch. Das bedeutet, sie regen die Niere dazu an mehr Wasser auszuscheiden. Dadurch werden die ableitenden Harnwege (Harnleiter, Blas und Harnröhre) besser durchspült und Keime ausgeschwemmt. Wichtig: Viel trinken!

Zusätzlich wirkt Goldrute antientzündlich, leicht krampflösend und beugt wohl Blasensteinen vor.

Sie kann außerdem bei leichten Harnwegsinfekten helfen. Kündigt sich eine Blasenentzündung durch klassische Beschwerden, wie zum Beispiel Brennen beim Wasserlassen an, eignet sich das Heilkraut als Tee oder in Tablettenform. In Tees kommen beide Goldrutenarten (Riesengoldrute) häufig kombiniert vor, ebenso wie andere Kräuter, unter anderem Birkenblätter und Schachtelhalm.

WICHTIG:

  • Bessern sich die Symptome eines Harnwegsinfektes durch das pflanzliche Mittel nach kurzer Zeit nicht, wird ein Arztbesuch unumgänglich!
  • Wer unter Wasseransammlungen im Körper (Ödemen) leidet, die durch eine Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörung bedingt sind, darf Goldrute nicht anwenden.
  • Goldrute kann bei einer Blasenentzündung nur helfen, wenn Sie ausreichend Flüssigkeit trinken. Dann tritt der durchspülende Effekt ein. Trinken ist bei einem Harnwegsinfekt ohnehin wichtig.

 

Lassen  Sie sich zu Dosierung und Anwendung von uns beraten.

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Rhabarber

 

 

Die Blattstiele werden – je nach Sorte und Alter der Stiele – geschält und meist geschnitten verarbeitet. Rhabarber gilt wegen seiner Zubereitung gemeinhin als Obst, obwohl er eigentlich zu den Gemüsen zählt. Die bekanntesten Zubereitungen sind Konfitüren und Kompott sowie Kuchen. Darüber hinaus wird Rhabarber auch zu Saft oder Most verarbeitet. Beliebt ist Rhabarber wegen seines erfrischenden, pikant-säuerlichen Geschmacks und des geringen Kaloriengehalts.

Aber Rhabarber schmeckt nicht nur gut. Schon die Ärzte in Arabien und im Persien der Frühzeit machten vom Handförmigen Rhabarber (Rheum palmatum L.), der Kronrhabarberstaude, dem Medizinalrhabarber oder dem Tangutischen Rhabarber (Rheum palmatum) häufig Gebrauch. Auch heute noch wird die Rhabarberwurzel (Radix Rhei) in der Pharmazie als mildes Abführmittel verwendet. Im Mundbereich wird ein alkoholischer Auszug verwendet, der mittels eines Pinsels direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird. Er wirkt adstringierend, bakterizid, schmerzstillend und antientzündlich, insbesondere bei Aphthen. Bei der Anwendung kann es zu reversiblen Verfärbungen an Zähnen und Schleimhäuten kommen.

Die Heimat der Rheum-Arten sind die Hochgebirge Westchinas, kultiviert finden sie sich in Asien und inzwischen auch in Europa.

Rhabarber ist eine bis zu 2m hohe Staude mit großen Blättern und einem rispigen Blütenstand.

Kurz vor der Blütezeit der Pflanze werden die Rhabarberwurzeln ausgegraben, die äußeren Teile entfernt und diese Stücke über dem Feuer getrocknet.

Wirkung

Die in der Pflanze enthaltenen Anthrachinone liegen als Glykoside, d.h. an Zuckermoleküle gebunden, vor. Sie wirken im Darm erst nach Spaltung dieser Glykosidverbindung und Reduktion durch die Colibakterien. Die Wirkung tritt nach oraler Gabe daher erst nach 8 – 10 Stunden ein. Die reduzierten Anthrachinone, die Anthranole, erhöhen die Peristaltik (Darmbewegung) der Dickdarmmuskulatur. Gleichzeitig vermindern sie die Wasserrückresorption, wodurch der Stuhl weicher wird. Nebenwirkungen bei einmaliger Anwendung sind relativ selten, eine zu hohe Dosis führt zu krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden.

Anthrachinone sind in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, da sie eine starke Durchblutung des kleinen Beckens bewirken können!

Halten Sie sich bei der Einnahme von Rhabarberwurzel als Abführmittel unbedingt an die empfohlene Dosierung und Anwendungsdauer! Inhaltsstoffe der Heilpflanze reizen die Darmschleimhaut, weshalb Rhabarberwurzel nicht länger als maximal 1-2 Wochen angewendet werden darf. Anderenfalls kann sich der Effekt umkehren und die Darmträgheit verstärken. Vor allem aber verliert der Körper bei missbräuchlicher Verwendung (zu lange &/oder zu hoch dosiert) zu viel Wasser und Mineralsalze (Elektrolyte) – besonders Kalium, was Störungen der Herzfunktion & Muskelschwäche zu Folge haben kann.

Die gleichzeitige Anwendung von bestimmten Entwässerungsmedikamenten (Thiaziddiuretika), Nebennierenrinden – Steoriden oder Süßholzwurzel verstärken den Kaliumverlust und damit die daraus sich ergebenen Nebenwirkungen. Deshalb wird von der gleichzeitigen Anwendung abgeraten.

 

Achtung auch bei Gicht, Rheuma, Nierensteinen und Arthritis:

Rhabarber zählt zu den sogenannten Kalziumräubern. Bei der Verdauung verbinden sich Oxalsäure und Kalzium zu Kalziumoxalat und werden über den Darm ausgeschieden.

Folgen: Kein Kalzium in den Knochen! Außerdem kann sich Kalziumoxalat auch in der Niere und der Gallenblase ablagern und somit Grieß und letztendlich auch Steine bilden.

 

Tipps zum reduzieren:

  • Möglichst jungen Rhabarber essen, da mehr Oxalsäure enthalten ist, je länger die Stangen wachsen. Daher ab Mitte Juni besser auf frischen Rhabarber verzichten.
  • Rhabarberstiele gut schälen – in der Schale steckt am meisten Säure!
  • Rhabarber ausreichend lange kochen und nicht roh verzehren. Da sich beim Kochen die Säure teilweise aus dem Gemüse löst, auch das Kochwasser wegschütten!

 

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An Halloween, der Nacht vor Allerheiligen, sind sie vielerorts anzutreffen. Mit großen Zähnen & funkelnden Augen. Böse Fratzen, die uns anstarren.

Kürbisse

Der Brauch, Kürbisse zum Halloweenfest aufzustellen, stammt aus Irland. Dort lebte einer Sage nach der Bösewicht Jack Oldfield. Dieser fing durch eine List den Teufel ein und wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack O fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber auch in die Hölle durfte Jack natürlich nicht, da er den Teufel betrogen hatte. Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. Der Ursprung des beleucheten Kürbisses war demnach eine beleuchtete Rübe, doch da in den USA Kürbisse in großen Mengen zur Verfügung standen, höhlte man stattdessen einen Kürbis aus. Dieser Kürbis war seither als Jack O´Lantern bekannt. Um böse Geister abzuschrecken, schnitt man Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus den Hof beleuchteten.

Aber warum erzählen wir Ihnen als Apotheke etwas über Halloween, Geister und Kürbisse. Weil der gemeine Kürbis (Cucurbita pepo), auch Gartenkürbis genannt, als Arzneipflanze eine wichtige Rolle spielt. Er wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2005 gekürt.

Als Stammform des Gartenkürbisses gilt der Texanische Wildkürbis (Cucurbita texana). Die Heimat der verschiedenen Kürbisarten, von denen unser Gartenkürbis die größte Bedeutung hat, liegt zwischen Peru und den südlichen USA. Der Kürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Christoph Kolumbus berichtet, dass er die Pflanze 1492 in Kuba kennen und schätzen gelernt habe. Anfang des 16. Jahrhundert gelangten dann die ersten Gartenkürbissamen nach Europa.

Heute wird der Gartenkürbis als Sommergemüse besonders vom Mittelmeergebiet bis Kleinasien und in den USA angebaut. Die Pflanze ist sehr frostempfindlich und kann schon bei länger anhaltender kühler Sommerwitterung unter 10 °C Schaden nehmen. Da die Pflanze sehr wärmeliebend und zu den sogenannten Starkzehrern gehört, gedeiht sie besonders gut auf Komposthaufen.

Einsatz bei Reizblase und Benigner Prostatahyperplasie

Die Reizblase, häufig vorkommend bei Frauen, ist eine psychosomatische Erscheinung, die keineswegs immer mit Entzündungen und/oder bakteriellen Infektionen verbunden ist. Wenn neurogene und anatomische Ursachen ausgeschlossen sind, kann der häufige Harndrang mit spastisch-schmerzhaftem Wasserlassen durchaus auch phytotherapeutisch angegangen werden. Traditionell werden Kürbissamen für die Behandlung der unkomplizierten Reizblase angewendet.
Die ehemalige Komission E hat die Indikation „Reizblase“ für Kürbissamen bei einer Dosierung von 10 g pro Tag anerkannt. Sicherheitshalber sollte vor der Behandlung eine Harnwegsinfektion mittels Teststäbchen ausgeschlossen werden.

Die gutartige Prostatavergrößerung (Benigne Prostatahyperplasie, BPH) ist eine der häufigsten Erkrankungen von Männern in der zweiten Lebenshälfte.
Man schätzt, dass etwa die Hälfte der Über-50-Jährigen, 70% der Siebzigjährigen sowie 90% der Achtzigjährigen betroffen sind. Eine benigne Prostatahyperplasie geht allerdings nicht zwangsläufig mit Beschwerden einher. Zudem können die auftretenden Probleme in ihrer Intensität schwanken.
Beim Mann wird etwa ab dem 40. Lebensjahr in der Prostata Testosteron vermehrt in die Wirkform Dihydrotestosteron umgeandelt. Dieses stimuliert das Wachstum der Epithelzellen in der Prostata. Estrogene, die mit zunehmenden Alter vermehrt gebildet werden, verstärken diesen Effekt. Das Wachstum der Prostata engt die Harnröhre zunehmend ein. Es muss mehr Kraft aufgewendet werden, um die Blase zu entleeren. Dadurch verdicken sich die Muskelzüge der Blase. Trotzdem gelingt es mit fortschreitender Erkrankung nicht mehr, die Blase ganz zu leeren. Es verbleibt Restharn, der bald schon wieder Harndrang verursacht.

Man unterscheidet drei Stadien der Erkrankung:

Stadium I: verzögerter Miktionsbeginn, deutlich abgeschwächter Harnstrahl, häufiger Harndrang
Stadium II: weiter gesteigerte Miktionsfrequenz, Restharnbildung
Stadium III: unwillkürlicher Harnabgang bei übervoller Blase oder kompletes Harnverhalten mit Rückstau in die Nieren.

Die BPH, auch als Prostataadenom bezeichnet, ist definitionsgemäß eine gutartige Veränderung, die nur behandelt werden muss, wenn die Probleme des Harnlassens zur echten Störung werden.
Vor jeder Therapie und Selbstmedikation muss eine ärztliche Untersuchung mit rektaler Abtastung zur Bestimmung der Konsistenz und der Größe der Prostata erfolgen.

Klinische Studien (Auszug):
An 147 BPH-Patienten wurde eine placebokontrollierte Studie sowie an 1305 Patienten eine Anwendungsbeobachtung mit Kürbissamenextrakt durchgeführt. Beide Untersuchungen konnten eine statistisch signifikante Besserung der BPH-Symptomatik nachweisen, vor allem der Rückgang der nächtlichen Blasenentleerungen wurde von 82% der Patienten positiv vermerkt.

Zur Behandlung von Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadium I und II beträgt die Tagesdosis ebenfalls 10g Kürbissamen.

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Holunder

 

Die Holunder (Sambucus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Moschuskrautgewächse. Die Gattung enhält weltweit etwas über zehn Arten, von denen drei in Mitteleuropa heimisch sind. Am bekanntesten von diesen drei Arten ist der Schwarze Holunder, der im heutigen Sprachgebrauch meist verkürzt als Holunder bezeichnet wird.

Das Wort Holunder stammt von dem althochdeutschen Wort Holuntar (Holun= hohl, heilig, günstig, gnädig) ab. Tar kommt von Baum oder Strauch.

Der lateinische Name des Strauchs, Sambucus, geht wahrscheinlich auf die Sambuche zurück, ein harfenähnlikches altgriechisches Instrument, das aus Holunderholz gefertigt wurde.

Allein in der deutschen Sprache gibt es eine Vielzahl von Ausdrücken für den Holunder:

Attich, Alhorn, Betschel, Elder (engl.), Ellhorn, Fliederbusch, Holder, Holle u.v.a.

Holunder (Sambucus nigra) ist ein bis zu 7m hoch wachsender Strauch oder Baum, der in ganz Europa heimisch ist. Die vielen weißgelblichen Einzelblüten sind zu einer Trugdolde vereinigt. Die Ernte der ganzen Blütenstände erfolgt im Juni/Juli. Bis September entwickeln sich aus den Blüten fünf bis sechs Millimeter große, kugelförmige dunkelviolett bis schwarze Steinfrüchte. Ihr Saft schmeckt herb – säuerlich & färbt stark.

Als Teedroge (Sambuci flos) dienen die getrockneten, gesiebten Blütenstände vom Sambucus nigra.

Holunderzubereitungen steigern die Bronchialsekretion. Sie finden bei Katarrhen der oberen Luftwege & trockenem Reizhusten in Form von Tee Verwendung. Außerdem wirken die Holunderblüten schweißtreibend, weshalb sie bei Fieber zum Einsatz kommen. Schwitzkuren sollten jedoch nur dann druchgeführt werden, wenn der Kreislauf stabil ist.

Sagenumwoben

Baum des Lebens & des Todes…

  • Bei den Kelten galt der Holunder als heiliger Baum. Er verkörperte die Unendlichkeit des Lebens: Im Winter war der Baum „tot“ – im Frühjahr erwachte er zu neuem Leben
  • Im druidischen Baumkalender ist der Holunder der 13. und letzte Jahresbaum. Er schließt das Jahr ab und steht für den Tod und die Wiedergeburt.
  • Germanische Stämme wie die Friesen, bestatteten ihre Toten unter dem Ellhorn (Holunder) nahe beim Haus.
  • Die Germanen verehrten den Holunder und opferten ihm Brot, Milch und sogar schon Bier.
  • Die Namensähnlichkeit von Holda, die Muttergöttin aus der germanischen Mythologie, ist nicht zufällig. Der Name Holda (auch Holla oder Hohe, in Grimms Märchen: Frau Holle) bedeutet die Strahlende. Holda wurde als Hausgöttin verehrt. Man brachte ihr Opfergaben zum Holunderbusch. Holda wa auch die Schutzpatronin für Menschen & Pflanzen. Sie vermochte Menschen vor Krankheiten zu heilen. In ihr verkörperte sich die Güte von Mutter Erde & das Strahlen des Himmelslichts gleichermaßen.
  • Auch Freya, die germanische Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, soll eine besondere Beziehung zum Holunderstrauch haben und im Holler wohnen.
  • So lange Menschen an Frau Holle glaubten, war es verboten, einen Hollerbusch zu fällen oder zu beschädigen. Krankheit und Tod so hieß es, seien die Folgen.
  • Im Zuge der Christianisierung wurde der heilige St. Nikolaus an die Stelle von Frau Holle gesetzt. Den Holunderzweig den er in der Hand hielt – ein Symbol für Fruchtbarkeit- verwandelte sich in eine Rute.
  • Aus dem 17. & 18. Jahrhundert ist überliefert, dass die Menschn den Holunder um Verzeihung baten, wenn sie ihn fällen mussten. Es war nur Witwen & Kindern erlaubt, diesen zu fällen.
  • Ein alter Glaube besagt, dass es ein Zeichen dafür sei, dass ein Verstorbener seine Ruhe gefunden habe, wenn ein auf seinem Grab eingepflanzter Holunderzweig zu wachsen begänne.

Auch in der Bibel sollen sich Hinweise auf den Holunder finden:

  • so soll die Wiege des Jesuskind aus Holunderholz gefertigt worden sein
  • die Heilige Familie soll auf der Flucht nach Ägypten unter einem Holunderbaum gerastet haben. Daher rührt der Glaube, der Holunder gehöre zu den Bäumen, di enicht vom Blitz getroffen werden.
  • Das Kreuz Christi soll aus Holunderholz gewesen sein
  • Judas soll sich an einem Holunderbaum erhängt haben

Tipps zur Zubereitung

 

 

 

 

 

Der Verzehr von ungekochten unreifen oder auch reifen Holunderbeeren kann Übelkeit, Erbrechen & schweren Durchfall auslösen!

Kochen zerstört den giftigen Stoff Sambunigrin.

Die Blüten werden in der Küche vielfältig verwendet:

  • In Teig herausgebacken schmecken Holunderblüten gut als Holunderküchlein
  • Kocht man die Blüten in Zusckerwasser, erhält man Holunderblütensirup, der im Sommer mit Wasser vermischt ein erfrischendes Getränk ergibt oder in Aperitifs & Cocktails zum Einsatz kommt.
  • Aus Holunderbeeren kocht man z.B. Gelee oder verarbeitet sie zu Wein.

ACHTUNG: Holunderfrüchte sofort verwenden, sonst drohen Gärprozesse.

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Weißdorn

 

 

Die Weißdorne (Crataegus) sind eine Gattung von Sträuchern oder kleinen Bäumen der Kernobstgewächse innerhalb der Familie der Rosengewächse.
Der botanische Name Crataegus geht vermutlich auf die alte Bezeichnung für die mittelmeerländische Weißdornart Azaroldorn (Crataegus azarolus) zurück, die früher von den Griechen Krataigos genannt wurde.
Das altgriechische krataiós bedeutet „stark“ oder „fest“ und bezieht sich auf das harte Holz der Pflanze.

Verwendung

Man kann jeden Teil der Pflanze verwenden. Früchte, Blüten, Blätter und Holz.
Die Früchte des Weißdorns sind roh essbar und schmecken süß-säuerlich. Sie können zu Kompott oder Gelee verarbeitet werden und eignen sich dabei zum Mischen mit anderen Früchten, da sie gut gelieren.
In Notzeiten wurden die Früchte als Mus gegessen und das getrocknete Fruchtfleisch als Mehlzusatz beim Brotbacken verwendet. Die Kerne dienten als Kaffeeersatz.
Das Holz ist sehr hart & fest und wird seltener für Schnitz- & Drechslerarbeiten verwendet. Früher brauchte man es häufig für Werkzeugstiele.

Anwendung bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens
= „Altersherz“

Herzinsuffizienz, also mangelnde oder nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens wurde früher oft mit >> Altersherz << umschrieben. Wenn das Herz insuffizient ist, kann es unter Belastung oder auch schon in Ruhe den für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels erforderlichen Blutdurchsatz nicht mehr erbringen.
Man unterscheidet zwischen Rechtsherz-, Linksherz, und Globalinsuffizienz, abhängig davon, ob die rechte, die linke oder beide Herzhälften betroffen sind.
Bei einer Rechtsherzinsuffizienz kommt es zu einer Stauung des Blutes im großen Kreislauf, der Druck in den Venen ist erhöht, sodass Plasmawasser aus den Gefäßen austritt. Die Folge sind Ödeme in den Beinen und der Bauchhöhle.
Bei der Linksherzinsuffizienz tritt der Stau im Lungenkreislauf auf, der Druck in den Lungenvenen ist erhöht.
Symptome wie Atemnot (besonders im Liegen) und Lungenödeme sind die Folge. Man spricht von Asthma cardiale (lat. Cardia, Herz)

Die Frühphase der Erkrankung verläuft für den Patienten oft unbemerkt. Bei ersten Anzeichen, wie Atemnot beim Treppensteigen oder geschwollene Füße müssen Sie in jedem Fall einen Internisten aufsuchen.

Die Einteilung der Herzinsuffizienz in Schweregrade erfolgt anhand der Beschwerden gemäß den Vorschlägen der NYHA (New York Heart Association)
Klasse I: Bei alltäglichen körperlichen Anstrengungen keine Symptome wie Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot
Klasse II: Einschränkung der körperlichen Leistung bei stärkerer Belastung
Klasse III: Einschränkung der körperlichen Leistung bei leichter/normaler Belastung
Klasse IV: Beschwerden bereits in Ruhe, keine körperliche Belastung mehr möglich

Weißdorn gehört zu den am besten untersuchten Arzneipflanzen. Die Wirksamkeit von Crataegus-Extrakt ist durch eine ganze Reihe klinischer Studien belegt, entsprechende Fertigarzneimittel sind zur Behandlung der Herzinsuffizienz NYHA-Stadium II zugelassen.
Sie erhöhen die Calcium-Durchlässigkeit in den Zellgorganellen, verbessern die Koronardurchblutung und mindern in geringem Ausmaß die Herzfrequenz bei Vergrößerung des Schlag- und Minutenvolumens.
Des Weiteren führen sie zu einer Vasodilatation (= Gefäßerweiterung), die das Herz entlastet.

Für die von Arzt/Apotheker überwachte Selbstmedikation bei Herzleistungsschwäche ist Crataegus sicherlich das Mittel der Wahl bei den Stadien I und II.
Es muss allerdings hoch dosiert werden (tgl. 900 mg Extrakt) und lange genug eingenommen werden. Erst nach 4-8 Wochen wird eine optimale Wirksamkeit erreicht.

Bei Einhaltung der Tageshöchstdosis ist nicht mit schädlichen Nebenwirkungen zu rechnen. Derzeit sind auch keine Wechselwirkungen mit anderen Mitteln bekannt.

 

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 Efeu

 

Der Gemeine Efeu, auch Gewöhnlicher Efeu oder kurz Efeu (Hedera helix) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Efeu (Hedera) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).

Er ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze. Zuerst entwickelt er sich als krautige Pflanze, so überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden. Sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage durch Haftwurzeln daran emporzuklettern; dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern.

Der Gemeine Efeu ist der einzige in Mitteleuropa einheimische Wurzelkletterer. Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen. Es existieren heute etwa 400 Sorten.

Vorkommen:

Efeu ist heimisch in den gemäßigten Klimazonen Europas & Asiens, in Südafrika und Nordamerika.

Als Standort werden Wälder und Auengehölze, Steinbrüche und Ruinen bevorzugt. Im Rahmen der europäischen Kolonisation wurde der Gemeine Efeu über große Teile der Welt verbreitet. In Nordamerika, Australien und Neuseeland wird er sogar als Eindringling bekämpft.

Beispielsweise ist im Bundesstaat Oregon der Verkauf und Import von Efeu verboten.

Symbolik:

Laut Marianne Beucher, einer Frankfurter Floristin und Gärtnerin (1927-2007), legten die ersten Christen gläubige Verstorbene auf Efeu, die Nichtbekehrten auf Zypressen.

Wer in Christo getauft sei, der sei unsterblich, die Ungetauften aber seien ohne Hoffnung auf Auferstehung, gleich den Zypressen, die einmal gefällt, nie mehr nachwachsen.

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her auch Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war die immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens. Im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährende Treue.

Außerdem galt er im alten Ägypten, in Griechenland und in Rom als Symbol der Heiterkeit, der Geselligkeit und der Freundschaft. Er war den Göttern des Weines geweiht.

Nutzung:

Vorweg sollte gesagt werden, dass alle Pflanzenteile des Efeus giftig sind. Zeichen der Vergiftung können schon nach Einnahme von zwei – drei Beeren auftreten:

  • Brennen im Rachen
  • Durchfall und/oder Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • erhöhter Puls und Krämpfe.

Nach Aufnahme großer Mengen können Schock und Atemstillstand auftreten.

ABER, die Dosis macht ja bekanntlich das Gift und so spielt er in der Pflanzenheilkunde eine große Rolle. In niedrigen Dosen findet er Anwendung bei Bronchialerkrankungen, Krampf- und Reizhusten. Seine Heilkraft verdankt der Efeu den sogenannten Saponinen. Sie verflüssigen und lösen den Schleim, wirken aber auch krampflösend und keimzerstörend.

Kontrollierte und offene Studien zu Prospan® und Bronchipret® bestätigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit des standardisierten Efeublätterextraktes. Die Wirkung ist dabei der von Ambroxol, Brohmhexon und NAC gleichwertig.

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Zimt

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Jetzt riecht man ihn wieder überall – Zimt. Würzig, herb & etwas süß begleitet er uns vor allem durch den Winter. Heute für jeden erschwinglich, war Zimt früher ein Zeichen für Exklusivität und Macht.
Herodot (450 v. Chr.) glaubte z.B. dass er auf dem Grund von Seen wächst. In Arabien propagierte man, dass Zimt von Zimtvögeln in ihren Nestern gesammelt wird, die von mutigen Jägern mit Pfeil und Bogen abgeschossen werden müssen.
Auch die mittelalterliche Fantasie, dass Zimt direkt aus dem Paradies in die Fluten des Nil geschwemmt und dort von fleißigen Fischern erbeutet wird, ist heute durch das Wissen ersetzt, welche Zimtart in welchem Land gedeiht.

Aber was ist Zimt denn nun und wo kommt es her?

Das, womit wir unseren Lebkuchen würzen ist nichts anderes als Baumrinde. Es gibt zwei Arten von Zimtbäumen: Ceylon-Zimt, der vor allem aus Sri Lanka stammt und der Cassia-Zimt, der ursprünglich in China, heute auch in Vietnam, Indonesien und auf Sumatra angebaut wird.
Die Gewinnung von Ceylon-Zimt ist deutlich aufwendiger, weshalb er auch erheblich teurer ist, als der Cassia-Zimt. Beim Ceylon-Zimt wird die Rinde nur von den zarten Wurzelschösslingen abgeschält. Daher werden die Bäume durch ständiges Abschlagen kurz gehalten und die Wurzelstöcke angeregt, immer neue Ableger zu treiben.
Der Cassia-Zimtbaum darf dagegen auswachsen, nach vier Jahren wird erstmalig geerntet. Um an das zarte, nur millimeterdicke Innere der Rinde zu gelangen, werden Borke und Mittelrinde entfernt; die Innenrinde wird geschält, rollt sich dabei von selbst auf und wird getrocknet.

Was kann Zimt?

Für die meisten Menschen ist Zimt nichts weiter als ein Gewürz für beispielsweise Cappucino, Milchreis oder eben Lebkuchen oder ein Aromastoff in der Kosmetikindustrie.
Tatsächlich spielt Zimt jedoch in der allerersten Liga der Naturheilmittel mit.
In mittelalterlichen Krankenzimmern stellte man Zimt – gemixt mit Nelken und Wasser- auf, um auf diese Weise die Beulenpest fernzuhalten. Innerlich und äußerlich verabreichte man Zimt gegen nahezu alles – von Fußpilz bis hin zu Magen-Darm-Infekten.
Das klingt jetzt alles sehr abenteuerlich. Doch bestätigen wissenschaftliche Studien längst die antimikrobielle Wirkung des Zimts, so dass sich niemand u wundern braucht, warum der Zimt früher erfolgreich bei all den genannten Problemen eingesetzt wurde.
Kleiner Tipp am Rande: Zimt nimmt – in Schuhe oder auf Füße gestreut – jeden Schweißgeruch mit sich.
Die bekannteste und faszinierendste Eigenschaft des Zimts ist jedoch seine blutzuckersenkende Wirkung.
Kleine Humanstudien zeigten, dass der Verzehr von Zimtpulver bzw. Zimtextrakt bei schlecht eingestellten Typ – 2 – Diabetikern zu einer Senkung des Blutglukosespiegels beitragen kann. Die erforderliche Zimt-Dosis beträgt im Schnitt ca. 3g. Natürlich reicht die alleinige Einnahme von Zimtextrakten zur Therapie nicht aus.
Des Weiteren wird er bei funktionellen, krampfartigen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfall oder auch bei Appetitlosigkeit eingesetzt.

Ist Zimt schädlich?

Wie bei fast allem, darf es auch hier natürlich nicht zuviel sein. Das in Zimt enthaltene Cumarin kann gesundheitsschädigend sein. Nimmt man über längere Zeit zuviel Zimt ein, kann es – bei empfindlichen Personen – zu Leberschädigungen kommen.
Aufgrund der krankmachenden Eigenschaft ist gesetzlich nur ein bestimmter Höchstwert (2 mg) an Zimt pro Kilogramm Lebensmittel erlaubt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass in zimthaltigen Lebensmitteln diese Grenzwerte häufig überschritten werden. Zum Teil liegt das daran, dass in Fertigprodukten fast immer der erheblich billigere Cassia – Zimt verwendet wird, der eine vielfach höhere Cumarin – Konzentration als der Ceylon – Zimt aufweist.

Allerdings sollten wir uns davon den Genuss von leckeren Zimtsternen nicht vermiesen lassen.
Für Kinder sind 4 Zimtsterne am Tag in Ordnung, für Erwachsene 16.

In der Schwangerschaft sollte Zimt generell nur mit Vorsicht genossen werden – sein Öl kann Wehen auslösen.

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Isländisches Moos

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Inspiriert von der Islandreise einer Mitarbeiterin, widmen wir uns dieses Mal dem Isländisch Moos, lat. Lichen Islandicus (Stammpflanze: Cetraria islandica).

Isländisches Moos ist eine bis zu 12 cm hohe Flechte, die nicht nur auf Island wächst, sondern überall im hohen Norden. Stellenweise auch in den Mittel- & Hochgebirgen der gemäßigten Zonen (Fichtelgebirge, Riesengebirge, Bayerischer Wald, Thüringer Wald, Bergtäler der Schweiz, Frankreichs, Spaniens und Tirols).

Bei uns in Deutschland zählt es nach der Bundesartenschutzverordnung & dem Washingtoner Artenschutzabkommen zu den gesetzlich geschützten Arten und darf daher hier nicht gesammelt werden.

Unter Rentieren gilt Isländisches Moos als Delikatesse, obwohl es die bitter schmeckenden Flechtensäuren enthält.

Doch auch in einem isländischen Gericht findet sich das Moos als Zutat und zwar in der „Fjallagrasasupa“. Durch ein ausgeklügeltes Zubereitungsverfahren entfernen Hobbyköche die Bitterstoffe.

Arzneilich genutzt wird der Flechtkörper (Thallus). Er enthält langkettige Zuckermoleküle und bittere Flechtensäuren. Die schleimbildenden Zuckerstoffe legen sich wie eine Schutzschicht über die Schleimhaut in Mund, Rachen und Magen. Somit lindern sie Halsschmerzen, Heiserkeit und trockenen Reizhusten. Auch gegen eine entzündete Magenschleimhaut können Zubereitungen aus der Flechte helfen.

Die bitteren Flechtensäuren wirken schwach antimikrobiell und appetitanregend, da sie die Produktion der Verdauungssäfte fördern.

Es werden vorwiegend Zubereitungen in Form von Lutschpastillen hergestellt, da sich Isländisch Moos aufgrund seines hohen Schleimstoffanteils sehr gut als Schleimhautschutz in Mund und Rachen eignet.

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor und die Wirksamkeit wurde von der Kommission E verbindlich festgestellt.

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Sonnenhut

Die erste Heilpflanze, die wir Ihnen vorstellen wollen, ist der Sonnenhut, auch Igelkopf genannt. Das Synonym „Igelkopf“ lässt sich darauf zurückführen, dass die Blütenköpfe des Sonnenhutes an den stacheligen Rücken eines Igels erinnern. Vermutlich stammt daher auch der lateinische Name „Echinacea“, welcher sich vom griechischen echinos = Igel ableitet.
Mittlerweile sieht man den Sonnenhut auch immer häufiger als Zierpflanze in den Gärten hier in der Umgebung. Auch in unserem kleinen Beet vor der Apotheke hat er ein Plätzchen gefunden.
Beheimatet ist der Sonnenhut in Nordamerika und gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Schon die Indianer nutzten ihn als Heilmittel gegen Zahnschmerzen, Wunden und sogar Schlangenbisse. Gut, gegen Schlangenbisse würden wir es jetzt nicht unbedingt empfehlen 😉
Die anderen Wirkungen betrachten wir mal etwas genauer.

Als Heilkraut genutzt werden drei verschiedene Stammpflanzen:

Echinacea angustifolia (Schmalblättriger Sonnenhut)
Echinacea pallida (Blassfarbener Sonnenhut)
Echinacea purpurea (Purpursonnenhut)

Extrakte aus der Wurzel des blassfarbenen Sonnenhutes werden unterstützend bei grippalen Infekten eingesetzt.
Inhaltsstoffe aus dem Kraut vom Purpursonnenhut werden zur Anregung der Immunabwehr bei wiederkehrenden Infekten im Bereich der Atemwege und der ableitenden Harnwege verwendet. Äußerlich bei Wunden oder Lippenherpes.
Als wirksame Inhaltsstoffe dienen u.a. die Alkamide oder auch die Polysaccharide. In Laborversuchen konnten Wissenschaftler zeigen, dass die Alkamide Einfluss auf die Immunzellen haben.
Die klinische Studienlage ist bei Echinacea Präparaten immer noch nicht zufriedenstellend. Es deuten zwar viele Studien auf eine Wirkung hin, insbesondere bei Zubereitungen aus dem Kraut von Echinacea pupurea. Aber wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der geprüften Zubereitungen sind die Ergebnisse der Studien widersprüchlich und nicht aussagekräftig.
In Zukunft sollen klinische Studien mit klar definierten Produkten gemacht werden.
Wie dem auch sei, eine unserer Mitarbeiterinnen, die sonst auch eher zu den kritischen Stimmen zählt, hat seitdem sie Echinacea rechtzeitig nimmt, Ruhe vor grippalen Infekten. Zufall?

Wer Echinacea unterstützend einnehmen möchte, sollte dies gleich bei den ersten Anzeichen einer Erkältung tun. Vorbeugend sollte man das pflanzliche Arzneimittel nicht länger als 8 Wochen einnehmen, sonst droht ein Umkehreffekt.
Wer allergisch auf Korbblütler reagiert, sollte gänzlich auf die Einnahme verzichten.
Ebenso raten Experten von Sonnenhut ab, wenn man eine eingeschränkte Immunabwehr hat oder Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken.
Wegen insgesamt nicht ausreichender Untersuchungen soll Echinacea in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.

 

                                                                                                                                                                  

 

 

In unserer neuen Rubrik „Kräuterecke“ stellen wir Ihnen in regelmäßigen Abständen verschiedene Arzneipflanzen (Drogen) vor und erzählen etwas über die Herkunft und die Anwendung der beschriebenen Pflanzen. Oder räumen mit Vorurteilen auf wie „Dat is pflanzlich, dat kann eh nix!“

 

Allgemeines zur Drogenkunde

Die Pharmakognosie, auch Drogenkunde genannt, ist die Lehre von den biogenen, also pflanzlichen und tierischen Arzneimitteln und Giftstoffen. Sie ist der älteste Teilbereich der Pharmazie. Pflanzen, Tiere und deren unterschiedliche Zubereitungen waren die ersten Heilmittel, mit denen versucht wurde, Krankheiten zu bekämpfen. Schon seit alters her wurden nicht nur frische, sondern auch getrocknete Pflanzen- und Tierteile verwendet, die länger haltbar waren. Als sich der Drogenhandel ausweitete, wurde es notwendig, Qualitätsanforderungen an Drogen festzulegen und überprüfbar zu machen. Zunächst beschränkte man sich auf äußere Merkmale. Als jedoch im 18. Jahrhundert exakte chemische Untersuchungsmethoden entwickelt wurden, verwendete man diese auch bei Drogen. Sie bilden heute neben den synthetisch hergestellten Stoffen die Basis für die industrielle Arzneimittelherstellung.

Phytotherapie als Erfahrungsheilkunde

Bis noch vor wenigen Jahren belächelten zum Teil naturwissenschaftlich ausgerichtete Mediziner die Behandlung mit Pflanzenprodukten, soweit deren Inhaltsstoffe und ihre Wirkung nicht eindeutig definiert und in klinischen Versuchen bestätigt waren.

Die Arbeit der Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes, die mit der Erstellung der Drogenmonographien betraut war, machte jedoch deutlich, dass die Erfahrungen, die „Naturheiler“ mit Pflanzenprodukten über Jahrhunderte hinweg gesammelt haben, nicht einfach außer Acht gelassen werden können.

Die Überprüfung seit alters her behaupteter Pflanzenwirkungen aus der Sicht der heutigen Medizin erbrachte unterschiedliche Ergebnisse: Bei manchen Pflanzen bestätigte sich die Wirksamkeit, bei manchen fand man sie plausibel. In diesen Fällen ist die Phytotherapie ein geeignetes Mittel, um leichte und vorübergehende Störungen, chronische, psychosomatische und funktionelle Erkrankungen zu behandeln. Derartige Kräuterzubereitungen können helfen, andere Arzneimittel einzusparen, oder sie lindern deren unvermeidliche Nebenwirkungen.

Mancherorts wird die Wirkung von Heilpflanzen gepriesen, mit denen Heiler an anderen Stellen der Erde jahrhundertelange Erfahrungen haben. Traditionelle Erfahrung ist jedoch an die Pflanzen aus dem jeweiligen Kulturkreis gebunden. Es ist keineswegs sicher, dass sich beispielsweise mit hiesigen Gewächsen die Wirkung asiatischer Kräutertherapien erzielen lässt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die in Asien wachsende Pflanze muss nicht der gleichen Rasse angehören wie die europäische. Biologische Varianten können verschiedene Inhaltsstoffe haben. Durch unterschiedliche Herkunftsgebiete und unterschiedliche Erntezeiten kann das Mischungsverhältnis der Pflanzeninhaltsstoffe sehr variieren. Abweichende Zubereitungsverfahren können Ursache dafür sein, dass sich unterschiedliche Stoffe in verschiedenen Konzentrationen in den Arzneimitteln befinden.

Was genau ist eine Droge?

Im deutschen Sprachgebrauch sind damit getrocknete Pflanzen- und Tierteile gemeint, die arzneilich verwendet werden. Im Unterschied dazu schließt der englische Begriff „drug“ auch synthetisch hergestellte und isolierte Arzneistoffe mit ein.

Verwendete Pflanzenteile

Die für die arzneiliche Verwendung erwünschten Wirkstoffe sind in einer Pflanze oft unterschiedlich lokalisiert. Deshalb benutzt man als Droge meist nicht die ganze Pflanze, sondern nur die besonders wirkstoffreichen Pflanzenteile.

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung
Singular Plural
Blüte Flos Flores
Blatt Folium Folia
Kraut Herba
Wurzel Radix
Wurzelstock Rhizoma
Frucht Fructus
Samen Semen
Rinde Cortex

 

Phytopharmaka

Industriell hergestellte Phytopharmaka sind Produkte aus natürlichen Ausgangsmaterialien. Je nach Verfahren werden die Pflanzen mit Wasser, Alkohol oder anderen Lösungsmitteln extrahiert, teilweise konzentriert, getrocknet oder anderweitig weiterverarbeitet. Phytopharmaka dürfen, so wie alle anderen Arzneimittel, erst nach Zulassung durch die zuständige Behörde in den Verkehr gebracht werden. In allen Fällen ist der Nachweis der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu erbringen. Bei pflanzlichen Kombinationspräparaten ist für jeden arzneilich wirksamen Bestandteil nachzuweisen, dass er zur positiven Gesamtwirkung beiträgt.

Ein Punkt, der häufig für Irritationen bei Kunden sorgt, sind Alkoholangaben eines pflanzlichen Arzneimittels. Häufig wird Alkohol in Arzneimitteln abgelehnt, insbesondere bei Kindern. Dabei muss jedoch zwischen dem tatsächlichen Alkoholgehalt, der deklariert werden muss, und dem Gehalt des zur Extraktion verwendeten Alkohols unterschieden werden.

Fertigtee

Greift man auf Tee als Arzneimittel zurück, hat man in der Apotheke folgende Auswahl:

> lose abgepackten Tee,

> Tee in Filterbeuteln,

> Instanttee.

Generell gelten für Tees aus der Apotheke die Anforderungen des Arzneibuches und damit eine festgelegte hohe Qualität. Die ist vor allem bei Filterbeuteln ein wichtiges Kriterium, da Drogerie- oder Supermarktware zum Teil mindere Qualität in den undurchsichtigen Beuteln verstecken und daher die Qualität bei Apothekenware den vergleichsweise höheren Preis rechtfertigt. Darüber hinaus sind Papierbeutel und Pappschachteln nicht unbedingt die optimale Verpackung für oftmals sehr fein geschnittene Drogen. Dies gilt besonders, wenn es sich um Drogen mit ätherischem Öl handelt. Bei längerer Aufbewahrungszeit ist zu erwarten, dass sich ein Teil des ätherischen Öls verflüchtigt und dem Anwender verloren geht. Die bei Apothekenware einzeln eingeschweißten Filterbeutel, halten vor allem den Gehalt an flüchtigen Stoffen konstant und garantieren so bis zum Erreichen des Verfallsdatums eine gleichbleibende Qualität.

Teefilterbeutel enthalten die für eine Tasse Tee richtige Menge Droge, bei loser Ware gilt in der Regel 1 Teil Droge zu 9 Teilen Wasser (entspricht ca. 1-2 TL auf eine Tasse Tee). Diese Drogenmenge wird mit kochendem Wasser übergossen und 5-10 Minuten abgedeckt stehen gelassen. Das Abdecken soll vor allem das Entweichen flüchtiger Bestandteile, wie z.B. ätherische Öle verhindern.

Wirkpotenz pflanzlicher Arzneimittel

Häufig wird angenommen, pflanzliche Arzneimittel oder Tees seien nur schwach wirksam und eher harmlos. Daher neigen Patienten manchmal zu sehr unkritischem oder auch langfristigem Gebrauch dieser Mittel. Am Beispiel Abführmittel wird allerdings deutlich, dass synthetische Wirkstoffe wie Lactulose oder Glycerol wesentlich schonender für den Organismus sein können als die recht drastisch wirkenden Anthradrogen, zu denen z.B. die Sennesblätter zählen (Midro Tee®).

Generell ist zu sagen, dass einige Tees nicht über lange Zeit oder gar andauernd getrunken werden sollen. Bei manchen Arzneidrogen ist bekannt, dass eine Langzeit- oder gar Daueranwendung erhebliche Nebenwirkungen nach sich ziehen kann, bei den meisten ist dies jedoch bislang nicht erforscht. Besonders eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte daher mit großem Bedacht geschehen.

Quelle: Deutscher Apotheker Verlag

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